Theaterbegeisterung geweckt
Im Rahmen des Kooperationsangebots „Grillo macht Schule“ bekamen die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der Q1 drei Mal die Gelegenheit, ganz unterschiedliche Einblicke in das Schauspielhaus in Essen zu erheischen.
Anfang November stand als Auftakt ein Besuch der Probe des Familienstücks „Pinocchio“ an. Die Schülerinnen und Schüler durften vom Rang aus das professionelle Probengeschehen beobachten. Dabei stand ihnen der Theaterpädagoge und Schauspieler Lukas Aschenreiter als Ansprechpartner zur Seite und erzählte spannende Details und Hintergrundinformationen, sei es zur Licht- und Bühnentechnik, zu den Probenkostümen oder zum Arbeitsalltag eines Schauspielers am Stadttheater. Im Anschluss an die Probe beantwortet der Regisseur Henner Kallmeyer Fragen zur Inszenierung, zum Beispiel warum er die Rolle der helfenden Fee mit einem Mann besetzt habe. Und nach einer kurzen Pause in der Theaterkantine erprobten die Jugendlichen schließlich ihre eigenen schauspielerischen Fähigkeiten in einem kleinen Workshop.
Ende November besuchte der Kurs den musikalischen Abend „Istanbul“. Das Stück spielt mit dem Gedankenexperiment, das Wirtschaftswunder der 50er Jahre hätte nicht in Deutschland stattgefunden, sondern in der Türkei. Deutsche Gastarbeiter aus Essen wandern nach Istanbul aus, um dort die Türkei wieder aufzubauen und die wirtschaftliche Not in der Heimat zu lindern. Der Perspektivwechsel offenbart auf humorvolle, kritische, aber auch ernste und nachdenkliche Weise Vorurteile auf beiden Seiten und zeigt bei allen Differenzen, wie nahe sich die Kulturen am Ende doch sind. Insbesondere die türkischstämmigen Schüler waren beeindruckt, wie gekonnt und nahezu akzentfrei die deutschen Schauspielerinnen und Schauspieler zahlreiche traditionelle türkische Lieder live sangen.
Im Februar schließlich wurde das Programm durch die Tragödie „Hamlet/Ophelia“ abgerundet. Nahezu drei Stunden klassischer Shakespeare waren für die nicht so geübten Theatergänger an der einen oder anderen Stelle sicherlich eine sprachliche Herausforderung. Durch ein beeindruckendes Bühnenbild und großartige schauspielerische Leistungen wurde es jedoch für die meisten doch zu einem überraschend kurzweiligen und inspirierenden Abend. Insbesondere die clownesken Einlagen der Nebendarsteller Rosenkranz und Güldenstern sowie die effektreiche finale Kampfszene zwischen Hamlet und Laertes hinterließen bleibenden Eindruck.
Im Anschluss an die vielfältigen Einblicke vor und hinter den Kulissen des Essener Schauspielhauses arbeitet der Literaturkurs nun an seiner eigenen Inszenierung, welche sicherlich in mancher Hinsicht von der Kooperation positiv inspiriert sein wird, aber doch in erster Linie auf den Ideen und dem Erfahrungsschatz der Jugendlichen basiert. Freut euch auf die Aufführungen Ende Juni in der Aula des NEG!!!